Anlagestrategien

P&C-Versicherer beschleunigen ihren Ausbau im Privatmarkt – Traditionelle institutionelle Anleger bewerten Liquiditätsrisiken neu

Vor dem Hintergrund der Zurückhaltung traditioneller institutioneller Anleger gegenüber illiquiden Vermögenswerten weiten Schaden- und Unfallversicherer entgegen dem Trend ihre Allokation in alternative Anlagen wie Private Equity, Immobilien und Hedgefonds aus. Dieser Artikel analysiert auf Basis von Daten von S&P Global Market Intelligence die Treiber, Risiken und langfristigen Perspektiven hinter diesem Trend.

P&C-Versicherungsunternehmen beschleunigen Ausbau auf Privatmärkten – Traditionelle institutionelle Investoren bewerten Liquiditätsrisiken neu

Einleitung

Während traditionelle langfristige Kapitalverwalter wie Pensionsfonds und Stiftungen ihre Engagements in Privatmärkten aufgrund von Liquiditätsbedenken zurückfahren, bauen US-amerikanische Property & Casualty (P&C)-Versicherer ihre Allokation in alternativen Anlagen gegen den Trend aus. Laut aktuellen Daten von S&P Global Market Intelligence haben große P&C-Versicherer wie Allstate, Liberty Mutual und Nationwide mehr als 15 % ihres Portfolios in Privatmärkten investiert, während The Hartford, Chubb und USAA, obwohl sie relativ konservativ sind, ihr Allokationsvolumen im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt haben. Diese Differenzierung offenbart eine tiefgreifende Meinungsverschiedenheit unter institutionellen Anlegern im Niedrigzinsumfeld: Streben sie nach Liquiditätssicherheit oder nutzen sie die Illiquiditätsprämie?

Markthintergrund

Das globale Zinsumfeld hat einen drastischen Wandel von extremer Lockerung zu rascher Straffung durchgemacht. Obwohl die Federal Reserve die Federal Funds Rate in den Jahren 2023-2024 auf über 5 % angehoben hat, bleiben die Renditen langfristiger Staatsanleihen auf historisch relativ hohem Niveau; die Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen näherte sich zeitweise 5 %. Vor diesem Hintergrund hat die Attraktivität traditioneller festverzinslicher Anlagen wieder zugenommen, doch für viele Institutionen besteht weiterhin der Druck, nach Überrenditen zu suchen.

In Bezug auf den Inflationszyklus fiel die US-CPI von einem Höchststand von 9 % im Jahr 2022 auf etwa 3 % zurück, doch die Dienstleistungsinflation ist hartnäckig, und die Markterwartungen an „höhere und längere“ Zinssätze wurden mehrfach angepasst.

Das operative Umfeld für P&C-Versicherer ist besonders. In den Jahren 2024-2025 verzeichnete die Branche die stärksten Underwriting-Ergebnisse seit einem Jahrzehnt, begünstigt durch strengeres Schadenmanagement und höhere Selbstbehalte. Ausreichende Kapitalausstattung und Gewinnakkumulation ermöglichen es den Versicherern, auf der Anlageseite mehr Risiken einzugehen.

Aktuelle Kapitalflüsse

Nach Daten von S&P Global Market Intelligence ist der Anteil alternativer Anlagen am Portfolio von P&C-Versicherern von etwa 4 % im Jahr 2014 auf etwa 6 % im Jahr 2024 gestiegen (einige Statistiken enthalten keine privaten Kredite). Die Allokationsrichtungen umfassen hauptsächlich:

  • Private Equity und Venture Capital: Direktbeteiligungen über Limited-Partner-Anteile (LP) und Joint Ventures.
  • Immobilien: Schwerpunkt auf Core-Plus-Immobilien, ergänzt durch opportunistische Projekte.
  • Hedgefonds: Fokus auf Multi-Strategie- und Event-Driven-Strategien.
  • Private Kredite: Entwickeln sich zunehmend zu einem neuen Wachstumsbereich, wie die Offenlegung von The Hartford im Jahr 2024 bezüglich seiner Investitionen in ein privates Kreditvehikel von TPG zeigt.

Bemerkenswert ist, dass die American International Group (AIG) in diesem Jahr eine langfristige Kooperationsvereinbarung mit CVC Capital Partners getroffen hat, um Milliarden von Dollar in Private-Credit-Strategien zu investieren und einen Teil ihrer bestehenden Private-Equity-Bestände auf ein externes Verwaltungsmodell zu übertragen. Dieses „Plattform“-Kooperationsmodell könnte einen neuen Standard für die Branche setzen.## Analyse der Anlagelogik

Hinter der gegenläufigen Expansion von P&C-Versicherern in private Märkte steckt ein Zusammenspiel mehrerer struktureller Faktoren:

1. Renditehunger im Niedrigzinsumfeld

Die Renditen traditioneller festverzinslicher Anlagen (Staatsanleihen, Investment-Grade-Unternehmensanleihen) liegen seit langem auf niedrigem Niveau. Selbst nach dem jüngsten Anstieg sind die realen Renditen nach Abzug der Inflation nach wie vor unattraktiv. P&C-Versicherer halten in der Regel große Mengen an Anleihen. Unter dem Druck der Durationanpassung benötigen sie die Laufzeit- und Kreditaufschläge privater Vermögenswerte, um die Gesamtrendite des Portfolios zu steigern.

2. Versicherungstechnische Ergebnisse als Sicherheitspolster

Wie der KBW-Analyst Meyer Shields betont, geben die mehrjährigen starken versicherungstechnischen Ergebnisse den Versicherern das Vertrauen, "Anlagerisiken" als zusätzliche Ertragsquelle zu nutzen. Die Combined Ratio der Branche liegt 2024-2025 im historisch besten Bereich, und die hohen versicherungstechnischen Gewinne bieten einen Puffer für aggressive Anlagestrategien.

3. Natürliche Vorteile bei der Aktiv-Passiv-Steuerung

Im Gegensatz zu Lebensversicherern haben P&C-Versicherer kürzere und volatilere Verbindlichkeiten (insbesondere bei Katastrophenrisiken), was theoretisch nicht für eine hohe Allokation in langfristige illiquide Anlagen spricht. In der Praxis können einige große Versicherer jedoch mithilfe präziser Cashflow-Prognosen und Rückversicherungsvereinbarungen das Liquiditätsrisiko steuern. Liberty Mutual betont seine langjährige Erfahrung und Diversifikationsfähigkeit, um illiquide Märkte erfolgreich zu navigieren.

4. Wettbewerbsdruck und Wachstumsbedarf

Der Piper-Sandler-Analyst Paul Newsome weist darauf hin, dass Versicherer in einem Markt mit verlangsamtem Prämienwachstum zunehmend auf Anlageerträge angewiesen sind, um das Gewinnwachstum aufrechtzuerhalten. Aktive Managementfähigkeiten werden zu einem entscheidenden Wettbewerbsfaktor.

Risikofaktoren

Diese Strategie ist jedoch nicht ohne Bedenken:

Makroökonomisches Zinsrisiko

Hohe Staatsanleiherenditen (die langfristigen US-Staatsanleihen nähern sich 5 %) verbessern das Preis-Leistungs-Verhältnis festverzinslicher Anlagen, was möglicherweise Mittel von privaten Märkten abzieht. AIG-Finanzvorstand Keith Walsh hat bereits klargestellt, dass sich die Allokationsgeschwindigkeit in private Kredite aufgrund veränderter Marktbedingungen verlangsamt.

Liquiditäts-Mismatch-Risiko

Die Schadenzahlungen von P&C-Versicherern sind höchst unvorhersehbar (z. B. Hurrikane, Waldbrände). Bei einer Häufung von Großschäden könnten sie gezwungen sein, private Beteiligungen mit Abschlägen zu verkaufen. Die Geschichte zeigt, dass die Schweizer Rückversicherung während der globalen Finanzkrise aufgrund massiver Verluste aus Kreditstrategien auf externe Unterstützung von Berkshire Hathaway angewiesen war.

Sinkende Bewertungen und Renditeerwartungen

In den letzten Jahren sind die Bewertungsmultiplikatoren für Private Equity und private Kredite gestiegen, während die erwarteten Renditen gesunken sind. Traditionelle Anleger wie Pensionskassen haben begonnen, Anteile an Private-Equity-Fonds mit Abschlägen auf dem Sekundärmarkt zu verkaufen, was auf eine Neubewertung der Liquidität hindeutet.

Geopolitische und regulatorische Risiken

Grenzüberschreitende Projekte in alternativen Anlagen können geopolitischen Unsicherheiten ausgesetzt sein. Gleichzeitig haben US-Versicherungsaufsichtsbehörden Beschränkungen für illiquide Vermögenswerte erlassen, die je nach Bundesstaat variieren und den Anlagespielraum einschränken können.

Langfristiger AusblickIn den nächsten 3-10 Jahren wird die Allokation von P&C-Versicherern in Private Markets voraussichtlich weiter steigen, jedoch könnte das Wachstum an Tempo verlieren.

Trend eins: Privatkredite werden zur Kernstrategie Nach der Verschärfung der Bankenregulierung verlagern sich die Unternehmensfinanzierungsbedürfnisse hin zu Nichtbanken-Institutionen, und der Markt für Privatkredite wächst weiter. P&C-Versicherer nutzen ihren langfristigen Kapitalvorteil, um Zinsmargen zu erzielen, die von Bankkrediten kaum abgedeckt werden können. Co-Investments und fondsbasierte Kooperationen (wie das Modell von AIG und CVC) werden üblicher.

Trend zwei: Infrastruktur- und Energiewendeinvestitionen Die langfristig stabilen Cashflow-Eigenschaften machen Infrastrukturanlagen (insbesondere erneuerbare Energien, Rechenzentren) bei Versicherern beliebt. Diese Anlagen sind inflationsindexiert und bieten stabile Renditen, daher könnten sie zum Schwerpunkt neuer Allokationen werden.

Trend drei: Zunehmende Divergenz unter institutionellen Anlegern Traditionelle langfristige Investoren (Pensionsfonds, Stiftungen) könnten aus Liquiditätsgründen ihre Private-Market-Allokation reduzieren, während P&C-Versicherer aufgrund ihrer einzigartigen Verbindlichkeitsstruktur und Underwriting-Gewinne weiterhin eine wichtige Quelle für alternatives Kapital darstellen. Der S&P-Analyst Tim Zawacki weist darauf hin, dass der P&C-Sektor nach wie vor ein „riesiges weißes Feld“ für die Expansion der Private Markets ist.

Trend vier: Technologiegestütztes Risikomanagement Fortschrittliche Modellierung (Katastrophenmodelle, Cashflow-Simulationen) und Echtzeit-Überwachungstechnologien werden die Fähigkeit der Versicherer verbessern, illiquide Vermögenswerte zu verwalten und das Tail-Risiko zu reduzieren.

Insgesamt spiegelt die erhöhte Allokation von P&C-Versicherern in Private Markets eine tiefgreifende Entwicklung der globalen Asset-Allokation wider: In einer Zeit, in der die Renditen traditioneller festverzinslicher Anlagen unzureichend sind und langfristige Anleger Liquidität neu bewerten, wird die Position alternativer Anlagen als Renditeverstärker weiter gefestigt. Doch historische Lehren und aktuelle Marktsignale erinnern uns daran, dass die Illiquiditätsprämie keine risikofreie Vergütung ist. Nur Institutionen mit einer soliden Underwriting-Basis, professionellen Anlagefähigkeiten und einem umsichtigen Risikomanagement-Rahmen können langfristig davon profitieren.

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*Datenquellen: S&P Global Market Intelligence, Keefe, Bruyette & Woods, Piper Sandler, Unternehmensmitteilungen*

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Source links

  1. https://www.privateequitywire.co.uk/pc-insurers-expand-private-markets-exposure-as-other-allocators-reassess-illiquidity/Primary

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